Im Lockdown der Corona-Zeit

Nein, grundsätzlich will ich nicht über den Corona-Virus schreiben. Das tun mehr als genügend andere. Hier versuche ich zu beleuchten, was diese Zeit mit mir macht.

Gerade vor dem wirklichen Beginn der Corona-Zeit habe ich meine Tätigkeit bei der IT-Firma aufgegeben. Nun war ich also beinahe wieder am Anfang meiner Zeit als Pensionierte, habe jedoch im vergangenen Jahr schon einige Erfahrungen machen können.

Und dann kamen die ersten Einschränkungen. Ich ärgerte mich, da ich überzeugt war (und bin), dass hier Hysterie und Panik verbreitet wird. Mitte März wollte ich gerade zwei Konzerte in Kleintheatern besuchen. Beide wurden gestrichen. Mich machte die Situation leicht aggressiv. Ich wollte mir nicht mein Leben verbieten lassen. Daher ging ich am Samstag, 14. März noch mit einer Freundin ins Kino. Die kleinen Säle waren noch offen. Anschliessend gingen wir noch etwas trinken und redeten miteinander. Bis zu diesem Zeitpunkt fehlte mir jeglicher Blickwinkel für das Positive dieser Corona-Zeit – ich konnte es einfach nicht sehen. Doch sie schickte mir nach unserem Gespräch eine Email, welche mir die Augen für all die Möglichkeiten öffnete.

Da änderte sich mein Leben schlagartig. Ich wurde ruhig. Und als am 17. März dann der total Lockdown und das physical distancing kam, ärgerte das mich nicht mehr. Seither geniesse ich jeden Tag. Fast täglich gehe ich in den Wald. Schon einige schöne Stellen habe ich dadurch entdeckt. Ich kann den wunderschönen Frühling so richtig geniessen. In meinem Leben ist keine Hast mehr und auch ein jeglicher Leistungsdruck ist von mir abgefallen. Es gibt keine „To do“-Liste mehr, alles ist nur noch ein „darf sein“. Und das gefällt mir sehr. Ich habe Zeit und kann wirklich machen was ich will. Wenn ich heute die beiden Paar Socken nicht mehr flicken mag, dann tue ich es morgen. Das hat für mich eine grosse Qualität! Eine kaum gekannte Qualität. Bisher, resp. solange ich voll berufstätig war, mussten die Dinge erledigt werden, denn ich befürchtete, dass sonst alles über mir zusammenbrechen könnte – ich all die Aufgaben nicht meistern würde.

Jetzt geniesse ich mein Leben wie kaum einmal zuvor. Selbstredend hilft das sonnige Wetter. Doch ich denke, dass mich auch ein paar Regentage nicht aus diesem neuen Gleichgewicht bringen würden. Fast an jedem Tag erledige ich etwas. Mal ist es eben flicken, ein andermal räume ich etwas auf oder um. Ich bespiele meine Flöten, mache  Kosmetik für mich, stricke an einem der angefangenen Projekte weiter und lese. Es müssen nicht einmal neue Bücher sein. Es gefällt mir auch, eine ganze Nacht lang ein bereits einmal gelesenes Buch nochmals durch zu schmökern. Auch meine Hausarbeiten sind irgendwie immer gemacht. Selbst das Kochen wird wieder kreativer.

Was macht mich so ruhig? Ich sehe in dieser ausserordentlichen Zeit viele interessante Dinge. Menschen leben wie automatisch wieder Werte, welche mir immer wichtig waren, wie z.B. die Solidarität, das Miteinander. Mich dünkt, ich sehe jetzt wieder viel mehr Menschlichkeit. Es wird einander in der Nachbarschaft wieder geholfen. Die Anonymität in der Stadt ist wie weg geblasen. Die (wenigen) Leute auf der Strasse grüssen sich wieder. Das sind für mich alles wunderbare Veränderungen in Richtung mehr Menschlichkeit, mehr mit- und füreinander. Auch staune ich über die Kreativität, die jetzt vielerorts zu sehen ist. Wie kann man die vorgeschriebenen Massnahmen einhalten und doch seinen Tätigkeiten nachgehen?

Kommende Woche nun beginnt der erste Lockerungsschritt der bundesrätlichen Massnahmen. Ich bin sehr gespannt, was dann passieren wird – allgemein und mit mir. Das wird dann wohl das Thema meines nächsten Eintrages sein.

Erkenntnis

Was so ein kleiner Virus alles zu beeinflussen mag. Was für Kräfte schlummern demzufolge noch in jedem von uns?!

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