Im 2. Lehrjahr

Über meine Tätigkeit als Supporterin bei einer IT-Firma habe ich ja schon geschrieben. Und darüber, dass ich Hautprobleme habe auch. Nun, Ende Jahr wurde ich richtig krank. Ich lag mit Fieber im Bett. Danach wusste ich es. Dieser Job tut mir nicht gut. Ich brauche viel zu viel Energie einfach nur, um mich konzentrieren zu können. Diese Grossraumbüros sind auch nicht das gelbe vom Ei.

Am ersten Arbeitstag im Januar bin ich zu meinem Chef gegangen und habe ihm gesagt, dass es mir kräftemässig nicht möglich sei, auch noch an den Nachmittagen zu arbeiten. Das hätte ich im Januar und Februar tun sollen, da eine Person in der Probezeit gekündigt hat.

Und nun was ist passiert? Ich konnte dieses Pensum zwar leisten, aber ständig hatte ich ein körperliches Zipperlein. Das kenne ich von mir kaum. Dazu kam, dass noch etwas neues Einzug gehalten hat, die Frage: „Will ich jetzt wirklich aufstehen und arbeiten gehen?“ Auch das ein Novum, das ich früher nicht kannte. Da habe ich mich entschieden, diese Stelle zu kündigen. Am 26. Februar habe ich meinem Chef die Kündigung auf den Tisch gelegt und arbeitete dann genau noch am Freitag, den 27. Februar. Zuerst war ich überrascht, hatte etwas Mühe, mich so schnell zu lösen und mich von meinen KollegenInnen zu verabschieden. Doch dann merkte ich, dass es für mich so stimmt.

Und jetzt – wie weiter? Gerade noch (im letzten Herbst) wollte ich ein neues Projekt auf die Beine stellen, wollte etwas „reissen“. Und jetzt sitze ich daheim! Da ist mir etwas aufgegangen. Mein Kopf/Ego war noch immer auf Leistung programmiert. Auch am Dabeisein in dieser Arbeits- und Wirtschaftswelt, welche einen ganz grossen Teil meines Lebens geprägt hat. Plötzlich sah ich die Diskrepanz: Ich bin pensioniert und darf das auch sein.

Diese Erkenntnis hat etwas in mir verändert. Plötzlich bekam ich ein Bewusstsein dafür, dass ich diesen Pensionierungsprozess wie eine Lehre anschauen kann. Das erste Lehrjahr war jetzt hinter mir. Ich habe Vieles gelernt, neue Erfahrungen gemacht, doch reif für den Abschluss bin ich noch nicht. Jetzt kommt das 2. Lehrjahr! In der Berufslehre heisst das meistens, dass man in eine andere Abteilung wechselt und alles wieder neu ist. Und so sehe ich es jetzt auch. Einige Erfahrungen habe ich gemacht. Ich fange also nicht bei Null an. Und doch ist es wieder ein neuer Anfang. Wie es mir wohl in dieser Abteilung gefallen wird?

 

Erkenntnis

Eine Lehre hat mehrere Lehrjahre und das mit gutem Grund.

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