Zweiter Frühling

Ja, irgendwie fühle ich mich im zweiten Frühling. Vielleicht nicht so, wie dieser Ausdruck üblicherweise benutzt wird. Bei mir zeigt es sich mehr im Sinne von: die alten Lieben (Hobby’s) tragen mich immer noch, oder erneut.

Jetzt wo ich Zeit habe, kann ich mich in der Küche wieder verweilen, verwirklichen. Mir fehlen die Worte, welche Freude es mir bereitete, nach wahrscheinlich mehr als zehn Jahren wieder einmal einen Zopfteig zu kneten. Dazu lief im Radio das Georg Harrison-Lied „My sweet Lord“. In genau diesem Takt habe ich den Teig geknetet. Immerhin wurde er geschmeidig und ging gut auf! Auch Cakes habe ich mich nach langer Zeit herangewagt. Ja, da darf ich noch etwas mehr in Übung kommen. Doch auch das hat mir Spass gemacht. Und danach mit Freunden zusammensitzen Kaffee und Cakes geniessen – wenn das nicht Lebensfreude bereitet, was dann?

Gestrickt habe ich wohl mein Leben lang. Obwohl ich – als noch kleineres Kind, denjenigen, welcher das Stricken erfunden hat, gerne auf den Mond geschossen hätte. (Für mich war klar, dass das ein Mann gewesen sein muss!!) Die Zeiten haben sich geändert, ich konnte bald einmal besser mit Garn und Nadeln umgehen. Und seither stricke ich eigentlich mehr oder weniger immer. Und jetzt habe ich dazu erst noch Zeit. Es geschieht nicht mehr ausschliesslich im Zug, zur Entspannung.

Seit Jahren bin ich mit einer Frau befreundet, welche Strickmodelle entwirft. Mit ihrem Mann hat sie vor vielen Jahren ein Geschäft gegründet. Er hat Seidengarne mit Pflanzen gefärbt und sie hat (und macht es bis heute) die Modelle strickend entworfen. Schon öfter haben wir so fachsimpelnd darüber nachgedacht, dass ich nach meiner Pensionierung doch meine eigenen Modelle stricken könnte. Und ja, jetzt ist es soweit. Ich war letzte Woche bei ihr. Wir haben gemeinsam meine Vorarbeit betrachtet, das wunderbare Material ausgewählt und jetzt bin ich dran – stricken, stricken, stricken!!

Und noch ein anderes älteres Hobby hat sich wieder etwas an die Oberfläche geschmuggelt – das Schreiben. Dass ich immer gerne geschrieben habe, ist offensichtlich, sonst würde ich nicht diesen Blog schreiben. Doch kürzlich ergab sich wieder einmal die Gelegenheit für ein Vereinsblatt etwas zu schreiben. Dieser Verein hat dort eine neue Rubrik geschaffen, welche durch die Vereinsmitglieder ausgefüllt werden soll. Die erste Kolumne hat ein bekannter (ebenfalls pensionierter) Journalist geschrieben. Und ich – halt auf meine eigene freche Art – habe nun den zweiten Beitrag geschrieben. Dabei ist so nebenbei auch noch mein erstes Gedicht entstanden.

Mit diesen reichen und schönen Erfahrungen fühle ich mich wirklich wie im zweiten Frühling.

Erkenntnis

Die Welt muss nicht neu erfunden werden. Nur den Mut, die alten Hobby’s neu aufleben zu lassen, und Gelegenheiten zu packen, den sollte man nicht verlieren.

 

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